Laudatio zur Vernissage

Aufbruch ins Zentrum

von Valentina Runge, Kunsthistorikerin

 

Herzlich willkommen von meiner Seite und auch im Namen der Künstlerin Tanja Robisch zu der heutigen Vernissage.

Sicherlich haben Sie sich schon ein bisschen umgeschaut und sich die einen oder anderen Gedanken zu den Bildern gemacht, wie es oft automatisch geschieht, wenn man Kunst betrachtet. Daher möchte Valentina Runge, Kunsthistorikerin, an dieser Stelle den Versuch starten, die Malereien von Tanja Robisch kurz zu erläutern. Leider ist sie heute Abend verhindert, so dass ich Ihnen die von ihr verfasste Laudatio vorlese.

Einleitend lässt sich zur Technik Folgendes sagen:

Tanja R. beschäftigt sich mit vielen verschiedenen Materialien, die in Ihren Bildern gemeinsam eine Harmonie schaffen.

Sie arbeitet in ihre Bilder oft auch Substanzen mit ein, die man nicht in erster Linie mit Malerei verbindet. Asche zum Beispiel ist ein Stoff, der in fast jedem ihrer Bilder zum Einsatz kommt. Dabei reizt Tanja R. besonders der Farbton und die Tatsache, dass aus etwas Vergangenem, Zerstörtem etwas Neues, Belebendes geschaffen werden kann. Mit ihrem warmen Farbton trägt die Asche scheinbar noch die Wärme des Feuers in sich und schafft dadurch einen extremen Gegensatz zu den leuchtenden, künstlichen Farben die Tanja R. ebenso in ihren Werken verwendet.

Wie sie vielleicht schon entdeckt haben, verwendet sie in Ihren Bildern noch weitere unübliche Materialien wie zum Beispiel Wachs, Sand oder Lack in Verbindung mit Marmormehl, mit welchem sie nach langem Experimentieren eine Möglichkeit gefunden hat die faszinierende Rissstruktur zu erzeugen, die in vielen ihrer Werke zu finden ist.

 

Unter all diesen Materialien ist besonders auch die Farbe zu erwähnen, die Tanja R.verwendet, Es handelt sich dabei hauptsächlich um Acrylfarben, welche die Künstlerin aus Pigmenten und Acrylbindemittel selbst zusammenstellt. So hat sie die Möglichkeit aus einer fast unermesslichen Vielfalt an individuellen Farb- und Glanztönen zu schöpfen und ihren Werken dadurch eine ganz eigene, persönliche Note zu verleihen.

 

Hat man die Materialien, so ist ein Bild nicht gleich automatisch gemalt. Vielleicht haben Sie schon einmal versucht, eine Idee künstlerisch umzusetzen und sind dabei spätestens bei der finalen Fertigstellung an Ihre Grenzen gestoßen. Ein Kunstwerk zu gestalten ist jedes Mal ein Schaffensprozess. Man hat vielleicht eine Idee vor Augen, die dann aber in der Entwicklung des Werks in eine völlig andere, unerwartete Richtung geht. Scheitern inbegriffen. Dabei das bereits Entstandene nicht aufzugeben, sondern sich zu sammeln. Los lassen und aus der Krise etwas Neues entstehen zu lassen, ist ein natürlicher Prozess in der Kunst. Die daraus erlernte Fähigkeit kann im privaten und auch im geschäftlichen Alltag als hilfreiches Werkzeug im Umgang mit Konflikten, Niederlagen und persönlichen Krisen genutzt werden.

 

In Ihren hier ausgestellten Bildern beschäftigt sich Tanja R. besonders mit dem Thema Aufbruch. Aufbruch kann oft etwas zerstörerisches haben. Die Risse deuten in Tanja R.s Bildern darauf hin. Aufbruch, etwas Neues, ein Wandel, ablegen und abstreifen von Altem und von gewohnten Mustern. Etwas Neues zu beginnen und dabei doch seinen eignen Standpunkt nicht zu verlieren, spielen bei dieser Thematik eine wichtige Rolle.

Das „sich selbst“ und der Aspekt der inneren, eigenen Mitte setzt Tanja Robisch in Ihren Werken um.

Durch eine klare Horizontlinie oder auch ein klares Zentrum im Bild gibt die Künstlerin ihren Werken Erdung, Ruhe und Halt. Die in manchen Bildern vorhandene Gegenständlichkeit bietet einen visuellen Anker. Dies übernehmen kompositorische Mittel in abstrakten Bildern.

Die so erwirkte Ruhe kann sich dabei auf den Betrachter übertragen und auch dem Raum eine positive Atmosphäre verleihen.

 

Seine eigene Mitte zu kennen und zu achten ist in einem gewissen Sinne auch immer eine Liebeserklärung an sich selbst, weshalb der heutige Abend von Liebesliedern umrahmt wird.

 


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